Maschinenpark

Ein lebendiges Denkmal

Wer durch die Alte Spinnerei & Tuchfabrik Lengenfeld geht, spürt Geschichte – nicht im Museumssinn, sondern im Rhythmus funktionierender Maschinen.
Jede Welle, jeder Riemen, jede Spindel erzählt vom Zusammenspiel aus Präzision, Handwerk und Erfindergeist.
Unser Maschinenpark umfasst nahezu die gesamte Produktionskette der klassischen Wollverarbeitung – original, funktionsfähig und in Betrieb.

1. Der Reißwolf – Reinigen, Auflockern, Mischen & Schmälzen

Hier wird die durch den Waschprozess etwas gedrückte und leicht verfilzte Wolle aufgelockert. Das Abschlagen kleiner Wollflocken von einer schnelldrehenden mit
Stahlspitzen beschlagenen Walze wird auch pickern genannt. Beim Schmälzen handelt es sich um einen Auftrag einer Öl- und Wasser- Emulsion und dient zur Verbesserung der Laufeigenschaften für die nächsten Verarbeitungsschritte.

2. Krempel – Das Herz der Spinnerei

Die zusammenhängenden Wollflocken sollen gelockert und die Wollhärchen voneinander getrennt und parallelisiert werden. Es kommen hier zwei hintereinander getaktete Krempeln zum Einsatz, die durch feine Kratzenbeschläge auf Trommel und Arbeiter- und Wenderpaare die Fasern zu einem noch nicht verfestigten Faserflor verarbeiten. Dieser Prozess ist entscheidend und bestimmt die Qualität aller weiteren Arbeitsschritte.

3. Florteiler & Nitschelwerk – Zwischenschritt in der Streichgarnspinnerei

Ein Faserflor kann vielseitig weiterverarbeitet werden. In der Streichgarnspinnerei benötigt man jedoch als Vorlage für die Spinnmaschine ein leicht verfestigtes Vorgarn oder auch Lunte genannt. Hierbei wird das Faserflor mittels Riemchen in schmale Streifen geteilt, anschließend durch ein hin- und her- bewegendes Lederhosenpaar
verfestigt und auf Holzstangen aufgewunden.

4. Der Wagenspinner (Selfactor) – Feinspinnen mit besonderer Geschichte

Der Selfaktor von 1923 ist eine der komplexesten und technisch anspruchsvollsten Maschine, die je gebaut wurde. Er hat seinen Ursprung in der Zeit der Erfindung der „Spinning Jenny“. Zur Entstehungsgeschichte gehört, dass bei der Beobachtung einer Spinnerin am Spinnrad der Gedanke entsprang, diese Bewegung auf mehrere Spindeln gleichzeitig zu erweitern. Bis dahin benötigte es bis zu acht Spinnerinnen, um einen Webstuhl kontinuierlich mit Garn zu versorgen. Als nun die ersten Wagenspinner mit acht Spindeln gebaut wurden, war die Produktion 1:1 möglich. Als in den achtzehnhundertzwanziger Jahren das Patent des ersten automatisierten Wagenspinners eingereicht wurde, übernahm nun die Maschine den Wagenauszug, die Drehungserteilung und das Aufwinden. Arbeitskräfte konnten fortan viel mehr Spindel bedienen. Der Wagenspinner erteilt dem Vorgarn seine finale Drehung und windet das verfestigte Garn auf eine Blechpfeife (Hülse) auf.

5. Spulengatter – Eine Schar von Fäden

Eine Maschine die viele Garne, Zwirne oder auch Filamente verarbeitet, benötigt eine Vorrichtung um diese Menge an Vorlage kontrolliert bzw. sortiert aufnehmen zu können.
Das übernimmt im Allgemeinen ein Aufsteck- oder auch Spulengatter. Eine Rahmenkonstruktion die mit vielen Aufnahmen (Dornen) für Spulen oder Hülsen ausgestattet ist. Darüber hinaus bringen Umlenkösen oder auch Fadenführer die Fäden in eine gewünschte Ablaufposition.

6. Sektionalschärmaschine – hunderte Kilometer in eine Einheit gebracht

Um ein Gewebe herzustellen, benötigt es Kett- und Schussfäden. Die Kettfäden die später in Längsrichtung im Webstuhl angebracht sind müssen vorbereitet werden. Die Sektionalschärmaschine besitzt eine große Trommel, die die Möglichkeit bietet, nebeneinander Schärbänder aufzuwinden. Die Schärbänder haben eine vorher berechnete Anzahl an Fäden und Länge, die sich immer wiederholt. Getrennt werden die Schärbänder von Bügeln, die ebenfalls berechnet werden, sowohl ihr Abstand voneinander als auch ihre Anzahl insgesamt. Sind nun alle Schärbänder in gleicher Länge und Breite aufgewunden, werden diese Gebäumt. Das Bäumen bezeichnet das Aufwinden der geschärten Fäden auf den Kettbaum.

7. Der Schaftwebstuhl – Lose Fäden bilden eine Fläche

Ein Gewebe ist ein Zweifadensystem. In Längs- und Quer ausgerichtete Fäden werden miteinander verkreuzt. Die längsausgerichteten Fäden sind die Kettfäden, die querausgerichteten Fäden sind die Schussfäden. Die Art der Verkreuzung nennt man Bindung. Schäfte sind Vorrichtungen für eine Hebe- und Senkbewegung der Kettfäden. Der Schusseintrag mit Schützen bezeichnet eine Art der Einbringung des Schussfadens. Ein Schütz ist ein aus Holz gefertigter Schlitten in dessen Inneren sich eine Aufnahme für eine Schussspule befindet. Ein Arbeitszyklus beginnt, indem die Schäfte ein Webfach bilden, durch das ein Schütz geschossen wird. Sobald der Schussfaden gelegt ist, schlägt das Blatt in Richtung des fertigen Gewebes an und bringt ihn in Position. Dieser Vorgang wird wiederholt bei wechselnder Schaftbewegung.

8. Die Zylinderwalkmaschine – Wärme und Bewegung in Einklang

Anders als beim Filzen, indem lose Fasern direkt verbunden werden, bezeichnet man das Verfestigen von z. B. Gestricken oder Geweben als Walken. Das fertige Gewebe wird
in der Maschine endlos vernäht und läuft beim Einlegen der Zylinderwalkmaschine permanent durch ein Warmwasserbad. Gleichzeitig wird das Gewebe gestreckt über ein Zylinderwalzenpaar und gestaucht in einer Stauchkammer. Durch diese zwei Komponenten, warmes Wasser und mechanische Beanspruchung setzt ein Schrumpf ein, dabei verhaken sich die Fasern und das Gewebe wird noch dichter und fester.

9. Heizkessel und Zentrifuge – Zwei Helfer für die Vor- und Nachbehandlung

Der Heizkessel musste permanent warmes Wasser liefern. Sowohl für die Wollwäsche als auch für den Walkprozess. Die Zentrifuge schleuderte die fertig gewalkten Filztücher oder die gewaschene Wolle. Die Resttrocknung kam über den Dachboden.

10. Die Raumaschine – der Feinschliff mit einem getrockneten Fruchtkörper

Durch das finale Aufrauen der Oberfläche erreichte man wieder eine schnellere Aufnahme von Wasser für den Verwendungszweck in der Papier- und Pappindustrie.
Durch das Öffnen der Faseroberfläche drang das Wasser besser ein. Gleichzeitig behielt
das Filztuch seine Festigkeit. Für die Bekleidungsindustrie wie z.B. bei Lodden Stoffen erhielt das Filztuch eine angenehme Oberfläche und somit einen weichen Griff. Das Aufrauen übernimmt der getrocknete Fruchtkörper der Kardendistel. Eine spezielle
Distelart die in Südfrankreich verbreitet ist.

11. Transmission – Bewegungsenergie in jeder Etage

Durch die Transmission (Maschinenbau) wird die erzeugte Bewegungsenergie einer zentralen Antriebsart (z.B. Wasserkraft) weitergeleitet und ist somit für weitere Abnehmer verfügbar. Das geschieht über Treibriemen, Riemenräder und Wellen. Dabei befindet sich eine Hauptwelle, meist an der Decke angebracht, in jeder Etage. Auf dieser befinden sich Riemenräder. Von da aus gelangt die Bewegungsenergie an die Maschine. Da sich die Hauptwellen mit Aktivierung des zentralen Antriebs dauerhaft bewegen, gibt es an den Maschinen immer eine Leer- und Antriebsscheibe. Mit einer Riemengabel legt man nun den Treibriemen entweder auf die Leer- oder Antriebsscheibe, womit die Maschine in Bewegung oder zum Stillstand gebracht wird. Daher wird das Ein- oder Ausschalten als Einlegen oder Auslegen bezeichnet.

Erhalt durch Nutzung

Alle Maschinen werden nicht als Schaustücke, sondern im laufenden Prozess betrieben.
Wartung, Ersatzteilfertigung und Dokumentation sind Teil des Vereinsziels.
So bleibt das Wissen erhalten – nicht auf Papier, sondern im Tun.